Lebensgefühl 50+

Facebook, Instagram – was soll das?

Als ich neulich auf einer Geburtstagsfeier über meinen Blog sprach, entwickelten sich angeregte Diskussionen über Sinn und Unsinn von Facebook, Instagram und Co. Ich muss dazu erläutern: Die meisten Gäste auf dieser Feier gehörten zu meiner Blog-Zielgruppe, sind also 50plus Jahre alt, sogenannte Best Ager. Und Diskussionen wie an jenem Abend erlebe ich oft, denn ich habe tatsächlich viele Freunde, die in keinem einzigen sozialen Netzwerk vertreten sind. Vermutlich ist es symptomatisch für unsere Generation, dass sie den sozialen Medien eher kritisch gegenübersteht. Besonders auffällig und interessant wird es für mich dann, wenn ich andererseits sehe, wie die 20- bis 30-Jährigen, zu denen unsere Kinder zählen, mit Social Media umgehen: neugierig, aufgeschlossen, selbstsicher, versuchsbereit. Hier gibt es tatsächlich eklatante Unterschiede zwischen den Generationen! Aber warum ist das eigentlich so?

Die einen sagen, es habe mit der schnellen Entwicklung der Technik zu tun, die die wenig technikaffinen Zeitgenossen unter uns schnell kapitulieren lässt. Die anderen behaupten, die Frage nach dem Datenschutz lässt unsere Generation, die sich in den 80ern noch vehement gegen die Volkszählung wehrte, aufhorchen und zurückweichen. Und die dritte Gruppe lehnt einfach ab, für was die sozialen Netzwerke ihrer Meinung nach stehen: die uneingeschränkte, eitle Selbstdarstellung. So meine Erfahrung.

Spielerisches Ausprobieren 

Zugegeben, mein technisches Gehirn ist beim Erstellen meines Blogs auch an viele Grenzen gestoßen und tut dies noch immer. Aber die Devise heißt: ausprobieren, einfach machen. Und Probleme später lösen, nämlich erst dann, wenn sie sich zeigen. Diese Herangehensweise ist für viele unseres Alters neu, denke ich. Ein Projekt beginnen, ohne zu wissen, wohin es genau führt. Es zur Bearbeitung und Beeinflussung durch andere Personen frei zu geben, ihre Kommentare zuzulassen und diese Art von Kommunikation sogar anzustreben. Das ist die eine Sache: sich auf das Neue einzulassen, ohne alle Eventualitäten, alle Pros und Contras vorher durchgespielt zu haben und ohne das Endprodukt zu kennen. Weil es das nämlich gar nicht gibt. Fällt uns Babyboomern das vielleicht besonders schwer? Hatte das spielerische Ausprobieren in einer Zeit, in der wir uns gegen so viele Gleichaltrige in vielen Lebenslagen durchsetzen mussten, vielleicht wenig Raum? Wurden wir zu Zielstrebigkeit erzogen, die alles Tun immer dem Zweck unterordnete?

Denn das ist die Gretchenfrage für so viele von uns: die Frage nach dem Zweck der sozialen Medien. Wofür soll es gut sein, sich in einer Parallelwelt zu vernetzen, wenn man es kaum schafft, die realen Freundschaften aus den letzten 50 Jahren zu pflegen? Warum sollen wir, die wir ja tatsächlich ohne PC groß geworden sind, noch mehr Zeit vor diesen Geräten verbringen? Denn wir kennen sie ja noch, die grüne Welt da draußen. Die einst unser Spielzimmer war, auch ohne Abenteuer-Spielplatz in der Nähe. Wir wissen noch, wie das war, mit Gitarre und dem roten Büchlein namens „Mundorgel“ gemeinsam am See zu sitzen. Und wir erinnern uns noch an einen Zustand namens Langeweile, den wir zwar nicht mochten, der aber trotzdem erholsam war und oft sogar etwas Aufregendes hervorbrachte.

Aber hätten wir uns nicht auch gerne damals spontan mit acht Freunden gleichzeitig verabredet? Ohne die Wählscheibe des Telefons mindestens achtmal bemühen zu müssen und den Ärger der Eltern zu riskieren wegen der aus heutiger Sicht unglaublich hohen Telefonkosten? Hätten wir nicht vielleicht auch gerne erfahren, dass es auf der Welt noch viele andere Menschen gibt, die gerade an Liebeskummer leiden, sich auf eine Prüfung vorbereiten müssen – oder die vielleicht auch gerade Langeweile haben?

Die richtige Dosierung 

Vernetzung kann banale Inhalte haben, aber auch unglaublich spannend sein. Das ist in den sozialen Medien nicht anders als im wirklichen Leben. Und immer hat man es in der Hand: Man kann auf andere zugehen oder sich einladen lassen. Man holt sich Informationen oder Inspiration für sein eigenes Leben, tauscht sich aus, kann eigenes Wissen weitergeben. Man muss nur eins können: die richtige Dosierung kennen. Wissen, wann es genug ist und dann den Aus-Schalter drücken. Auch das ist im realen Leben nicht anders.

Ich selbst habe Facebook und Co. auch erst in mein Leben gelassen, als ich Zeit und Lust hatte, mich damit zu beschäftigen. Aller Anfang ist bekanntlich müßig. Aber auch mit Minimalaufwand kann man sich online umsehen, gruppieren und diskutieren, wenn man mag. Was ich allerdings am meisten schätze, das sind die Kontakte und Gruppen zu meinen Interessen und/oder in meiner Umgebung. Wenn Menschen sich finden und zusammentun, um ihr Hobby gemeinsam auszuüben oder den Tag gemeinsam zu verbringen, und zwar im echten Leben. Vielleicht ist das der schönste Zweck der Online-Netzwerke: Menschen, die krank oder einsam sind, aus ihrer Isolierung herauszuführen. Ihnen online Raum zu gewähren, wenn sie die Wohnung nicht verlassen können, und ihnen gleichzeitig Möglichkeiten im Offline-Leben anzubieten. Und, wen wundert’s: Das ist übrigens auch der Grund, warum die Internet-Präsenz der Menschen im Seniorenalter rasant zunimmt.

Um auf die oben erwähnte Geburtstagsfeier zurückzukommen: Zwei der Gäste haben noch einen ganz anderen Aspekt in die Diskussion eingebracht. Beide arbeiten in  Unternehmen, die jüngst eine neue Software für das betriebseigene Intranet eingeführt haben. „Damit wir uns besser vernetzen und communities innerhalb der Firma bilden können“, wurde mit rollenden Augen kommentiert. Und: „Fragt sich nur, wer dann all die Arbeit macht, die wir sowieso kaum noch schaffen.“ Diese Einwände sind doch berechtigt, finde ich.  Müssen wir neben der täglichen Email-Flut jetzt auch noch die perfektionierte soziale Vernetzung am Arbeitsplatz bewältigen? Befinden wir uns damit nicht in einem Dilemma? Optimierte Vernetzung gegen produktive Arbeit? Wer darf dann noch den Stecker ziehen? Oder erleichtert uns das Online-Miteinander die Arbeit vielleicht doch, weil sie das Team zusammenbringt und stärkt?

Vernetzung bleibt spannend, auch in dieser Hinsicht. Vielleicht ist aber der Mut und die Freiheit abzuschalten demnächst ein großes Thema. Wer weiß.

Was meint ihr dazu? Wofür nutzt ihr die sozialen Medien? Was bereichert euch und was würdet ihr euch anders wünschen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Nachtrag vom 28.12.2017

Als ich mit meinem Mann vor einer Woche über den Brühler Weihnachtsmarkt schlenderte, standen die Türen zur Ausstellung „Wechselspiel“ der Künstlerin Sabine Endres offen. Neben großformatigen, sinnlich-farbenfrohen Malereien waren witzige Objekte und Plastiken in Rahmen präsentiert. Darunter gab es auch einen Kunstkasten zum Thema „Netzwerk“, der mich sehr an meinen Blogbeitrag vom 4. November erinnerte. Sabine Endres hat mir kurzerhand ein Foto ihres Werkes für meinen Beitrag zur Verfügung gestellt, ihr seht hier im Titelbild einen Ausschnitt. Vielen Dank noch einmal dafür, Sabine! Schaut mal auf ihre Webseite oder besucht sie auf facebook, es lohnt sich!

 

16 Gedanken zu „Facebook, Instagram – was soll das?“

  1. Hallo Astrid,
    ich bin über die Bloggerei in Dein Blog gefunden.
    Dieses Social Media Kanäle wie Facebook, Instagram, Twitter und Co sind für mich wie das Buch mit den 7 Siegeln.
    Ich habe mich mal versucht aber schon nach wenigen Tagen das ganze wieder sein lassen.

    Liebe Grüße Lothar

  2. Ich bin erst bei Facebook nachdem mein Mann an Kebs erkrankt ist.
    Es alles damit an als ein fremder für meinen Mann eine Petition eröffnet hat.
    Und dafür sind wir Ihm heute sehr Dankbar.
    Denn durch diese Petition haben wir viele Kontakte zu Menschen bekommen, die uns mit Ihren Erfahrungen weiter geholfen haben.
    Und diese Erfahrung und auch unsere Erfahrungen möchte ich gerne an Menschen weiter geben.
    Denn vielkeicht kann auch ich damit jemanden helfen.
    Deshalb bin ich bei Facebook.

    1. Liebe Daniela,
      ich glaube, mit einem Blog zum Thema Krebserkrankung könntest du die Menschen noch gezielter erreichen. Eure Erfahrungen – die deines erkrankten Mannes und deine eigenen – wären sicherlich eine Bereicherung für viele Betroffene. Ich drücke die Daumen, dass du die Zeit findest, Wichtiges mal niederzuschreiben. Vielleicht wäre ein Gastbeitrag in meinem Blog ein Anfang?

  3. Hallihallo 🙂 erstmal: toll geschrieben!

    Ich bin 20, gehöre also einer anderen Generation an. Allerdings beäuge auch ich die sozialen Netzwerke kritisch, auch wenn ich sie nutze. Wozu ich sie nutze? Ganz ehrlich, ich bin durch meine Erkrankung oft eingeschränkt. Trau mich kaum, auf Menschen zuzugehen … da ist es sehr schön, sich mit anderen austauschen zu können, die ähnliche Probleme haben. Ganz sicher hinter dem Bildschirm.
    Als Tierschützer ist ein Netzwerk auch sehr praktisch. Wie soll man sonst die Information möglichst weit verbreiten, dass Hund gesucht wird, nachdem er weggelaufen ist oder ein paar Kitten ein neues Zuhause suchen?

    Und trotz allem sind die sozialen Medien nur ein begrenzter Teil meines Lebens

    1. Hallo PiusLucius,
      ich finde es immer sehr inteessant, wenn die Generationen sich austauschen. Deshalb freue ich mich besonders über deinen Kommentar! Wie hast du meine Seite gefunden? Schön zu lesen, wie die sozialen Netzwerke dich bereichern und wie du damit umgehst.

      1. Der Beitrag wurde mir im WordPress Reader angezeigt und irgendwie war ich neugierig und habe drauf geklickt 😀

  4. Sehr gut geschrieben!
    Ich selbst habe facebook auch lange abgelehnt, erst durch meine Selbstständigkeit wurde ich quasi dazu gezwungen. Habe es bisher nicht bereut und würde mittlerweile sogar so gerne einen eigenen food blog haben. Es scheitert bisher an meinem technischen Knowhow.
    Ich freue mich schon auf deine nächsten Artikel! LG

    1. Hallo Andrea,
      wie schön, dich auf diese Weise kennenzulernen! Ich kann dich nur dazu ermuntern, mit dem Bloggen anzufangen. So schwer ist es gar nicht. Allerdings braucht man anfangs tatsächlich Zeit, um sich mit der Technik und Gestaltung anzufreunden. Einfach anfangen, das habe ich von anderen Bloggern gelernt. Und mit der Zeit dazulerrnen. Deine Webseite und das, was du beruflich machst, finde ich übrigens sehr spannend. Und dazu noch in meiner Nähe. Den „Weiberabend“ behalte ich mal im Hinterkopf.

  5. Danke für den interessanten Beitrag. Auch ich bin Best Ager und nutze facebook zum Vernetzen – Kontakten – sichtbar werden. Ich sehe es in erster Line als eine Bereicherung an. 🙂 LG Marita

  6. meine 2 töchter(33/31) sind nicht bei facebook. ein grund warum ich einen blog angefangen habe. sie möchten meinem geschreibe weiter folgen können. man muss bei facebook und co ja nichts zu privates posten. insofern habe ich damit kein problem. reihe mich mit 59 gerade noch so in deine zielgruppe ein 😉

    lg wolfgang

Ich freue mich über deinen Kommentar!