Windsurfen ist gar nicht so einfach
Inspiration

Probier doch mal! Entdeckergeist 50plus.

Mit 50 noch das Surfen lernen? Warum denn nicht, dachte ich mir, und zwängte mich an einem trüben Tag bei frischen Temperaturen in einen Neoprenanzug. Gleichzeitig mit vielen anderen Anfängern, die irgendwie alle jünger aussahen. Ich hatte keine Ahnung, was mich auf dem Wasser erwartet, spürte aber das verheißungsvolle Kribbeln im Körper, das mich beim Ausprobieren von Neuem oft begleitet. Wie werde ich mich anstellen? Werde ich mich auf dem Brett halten können? Und wie werden die Stürze ins Wasser sein? Lächerlich? Schmerzhaft? Davor hatte ich schon ein bisschen Respekt. Aber dann war der Moment da. Ich erklomm aus dem Wasser das Board und war stolz wie Oskar, als ich das Rigg mit mehr Leichtigkeit als gedacht zum ersten Mal aus dem Wasser zog. Die Neugierde hatte gesiegt.

Die Lust am Ausprobieren

Das ist es schließlich, was einen antreibt. Die Gier nach Neuem, die Lust am Ausprobieren. Den Kindern gestehen wir sie zu, unterstützen sie auch gerne dabei, eigene Erfahrungen zu machen. Auch die Jugend ist groß darin, sich auszuprobieren, eigene Grenzen zu testen. Aber danach? Verliert sich die Neugierde im Laufe des Lebens? Laut wissenschaftlicher Untersuchungen nimmt unser Drang nach neuen Erfahrungen mit dem 30. Lebensjahr langsam ab (www.spektrum.de). Treten wir dann lieber auf gewohnten Pfaden, weil wir bequem geworden sind? Oder sind wir einfach ausgeglichener? Oder haben wir schlicht in gewissen Lebensphasen keine Energie für Neues, Ungewohntes? Sind froh, wenn wir nach allen Verpflichtungen unsere Ruhe genießen können?

Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Aber irgendwann kommt vielleicht der Moment, an dem man denkt: Eigentlich würde ich gerne mal…. Was hält mich dann davon ab? Die Angst, mich zu blamieren? Ich persönlich habe das Gefühl, dass diese Angst mit dem Älterwerden abnimmt. Finanzielle Hürden? Auch das lässt sich anpacken, zum Beispiel mit dem guten alten Sparen. Dann dauert es eben etwas, bis man sich seinen großen Traum leisten kann. Ist vielleicht nicht gerade en vogue, vergrößert aber die Vorfreude ungemein. Oder ist es die Angst davor, alte Wege zu verlassen und neue Türen aufzustoßen?

Zurückrudern erlaubt

Viele von uns haben das im privaten und/oder beruflichen Bereich sicherlich schon oft tun müssen. Und wünschen sich nun etwas mehr Beständigkeit, halten vielleicht sogar an Gewohntem jetzt noch mehr fest. Für eine gewisse Zeit verständlich, wie ich meine. Trotzdem sind wir Europäer doch ökonomisch und politisch in der glücklichen Lage, die Vielseitigkeit des Lebens auszukosten. Warum dann nicht zugreifen? Vielleicht sollte man sich einfach davon verabschieden, Neues auch perfekt beherrschen zu wollen. Es geht ja nur ums Ausprobieren, Zurückrudern ist immer erlaubt! Und diese Option verkleinert so manche Hürde ungemein.

Etwas Neues auszuprobieren muss ja auch kein großes Unterfangen sein. Komplett die Spur zu wechseln und sich ganz neu zu erfinden ist immer mit großer Anstrengung verbunden. Manchmal liegt der Reiz aber schon in den kleinen Dingen: Mal allein in die Kneipe gehen, neue Kontakte knüpfen, zusammen mit anderen ein neues Hobby beginnen, selbst eine Gruppe gründen, sich weiterbilden, alte Gewohnheiten gegen neue tauschen.

Neue Seiten an sich entdecken

Und dann sehen, was passiert. Sehen, wie sich Unsicherheit langsam in Entspannung oder Stolz wandelt. Wie der Spaß das ungewohnte Tun bestimmt, weil man Neues um sich herum entdeckt und neue Seiten an sich selbst entdeckt. Dinge besser kann oder versteht, als man sich das zugetraut hätte. Oder etwas doch nicht so gut kann. Auch das ist ein mögliches Resultat des Ausprobierens.

Das Surfen, so habe ich für mich gelernt, wird nicht mein neues Hobby werden. Auch wenn der Crashkurs in Holland und sogar besonders die Stürze ins Wasser sehr lustig waren, habe ich jetzt großen Respekt vor allem, was sich geschmeidig und mit großer Geschwindigkeit übers Wasser bewegt. Macht nichts, dachte ich, dann fange ich halt an zu singen. Seitdem singe ich im Chor. Mit Erfolg? Na ja, auf jeden Fall mit großem Spaß!

Wie sieht es denn bei euch aus? Hat euch der Entdeckergeist jenseits der 50 neu gepackt? Was habt ihr in letzter Zeit mal ausprobiert? Ich bin gespannt auf eure Inspirationen! Und übrigens: Die Psychologieforschung hat auch entdeckt, dass überraschend Neues unsere Merkfähigkeit deutlich verbessert. Das könnte auch ein Ansporn sein…

Ich freue mich über deinen Kommentar!