Wohlbefinden

Immer auf Hochtouren

Wechseljahre und Bluthochdruck

Wenn man sein Leben lang mit niedrigem Blutdruck zu tun hatte, ist man doch irritiert, wenn es plötzlich heißt: Ihr Blutdruck ist erhöht! Ich staune manchmal, in welche Höhen sich die Blutdruckwerte in der zweiten Lebenshälfte versteigen können. Noch so ein Wechsel in den Wechseljahren. Grund genug, sich mit dem Thema Hypertonie einmal intensiver auseinandersetzen.

Ich habe dazu eine Fachfrau befragt: Suzanne Morshuis ist leitende Oberärztin der Abteilung Psychosomatik an der Berolina Klinik Löhne, Bad Oeynhausen.


Suzanne Morshuis
Suzanne Morshuis

Suzanne, wieso verändert sich der Blutdruck in den Wechseljahren?

Zum einen spielen hormonelle Faktoren eine Rolle: In den Wechseljahren fällt das Hormon Östrogen ab, was zuvor einen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bot. Hinzu kommen der natürliche Alterungsprozess und altersbedingte Faktoren wie Ablagerungen in den Gefäßen. Aber vor allem ein Lebensstil geprägt von Bewegungsmangel, Rauchen, erhöhtem Alkoholkonsum, falscher Ernährung und Übergewicht wirkt sich ungünstig auf den Blutdruck aus.

Auch Stress spielt eine wichtige Rolle. Durch chronischen Stress steigt die Konzentration von Adrenalin und Noradrenalin, vor allem aber von Cortisol im Körper an. Das führt langfristig zu einer Kontraktion der Blutgefäße.

Sind Männer davon auch betroffen?

Bei Männern kommt es genauso häufig wie bei Frauen zu einer Blutdrucksteigerung im Zuge des Älterwerdens. Allerdings sind Männer schon in jüngeren Jahren davon betroffen, da die Schutzfunktion des Östrogens bei Männern nicht vorhanden ist. Leider holen die Frauen diesbezüglich nach der Menopause schnell auf.

Was kann man konkret tun, wenn der Blutdruck entgleist?

Man kann vieles tun! Insbesondere bei beginnender Hypertonie ist eine Änderung des Lebensstils sehr wichtig und trägt mitunter entscheidend dazu bei, wie die Erkrankung sich entwickelt. An erster Stelle steht die regelmäßige Bewegung. Es muss nicht der Marathonlauf sein! Regelmäßige, ausgedehnte Spaziergänge reichen völlig aus. Als gutes Maß kann man sich an 10.000 Schritten täglich orientieren, die man mit Hilfe eines Smartphones oder eines Schrittzählers leicht messen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Verzicht auf das Rauchen. Rauchen ist für fast alle Organsysteme schädlich, insbesondere aber für das Herz-Kreislauf-System. Alkohol in geringen Mengen ist in Ordnung, aber hier gilt die Faustregel: maximal ein kleines Glas am Abend.

Eine große Rolle spielt die Ernährung: Kohlenhydratarme Speisen sind zu bevorzugen, ebenso gehören viel Gemüse und Obst auf den Teller. Besonders Gemüse hat aufgrund der Vitamine und Mineralstoffe eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Obst sollte man aufgrund des hohen Zuckergehaltes eher in Maßen essen.

Da man im Alltag sehr oft die erforderlichen Mengen an Vitaminen gar nicht essen kann, halte ich eine Substitution mit Vitaminen und Mineralstoffen für sinnvoll. Insbesondere Vitamin C und E schützen als sehr potente Antioxidantien vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Günstig ist auch die zusätzliche Einnahme von Magnesium, das die Blutgefäße entspannt.

Auch die Rolle der Nahrungsfette ist nicht zu unterschätzen. Fette sind noch immer als Fettmacher verpönt, dabei kommt es darauf an, zu den richtigen Ölen zu greifen. Unbedingt vermeiden sollte man sogenannte Transfette, die in fast allen Fertiggerichten verarbeitet sind. Diese verstopfen geradezu die Arterien und führen damit zu Bluthochdruck. Günstig dagegen sind Fette, die ein hohes Maß an Omega-3-Fettsäuren enthalten wie Olivenöl, Leinöl oder Rapsöl. Fette wie diese, oder auch fetter Fisch, z. B. Lachs, verbessern die Cholesterinwerte und die Fließeigenschaften des Blutes. Sie helfen den Blutdruck zu senken und führen – entgegen der landläufigen Meinung – nicht zu Übergewicht. Als Ersatz für Süßigkeiten eignet sich eine Handvoll Nüsse am Tag.

Sehr wichtig ist auch ein möglichst entspannter Lebensstil. Das ist nicht immer einfach  in unserem oft sehr hektischen Alltagsleben. Günstig wirkt sich auf den Blutdruck ein erlerntes Entspannungstraining aus, wenn es regelmäßig angewendet wird.

Was riskiere ich, wenn ich nichts dergleichen tue?

Die bedeutsamsten Folgen einer arteriellen Hypertonie können eine Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) und in Verbindung damit eine koronare Herzkrankheit und Angina pectoris sein. Letztere macht sich bemerkbar durch sehr typische Herzschmerzen. Am Ende kann das zu einem Herzinfarkt führen. Auch kann langfristig die Pumpfunktion des Herzens so beeinträchtigt werden, dass die körperliche Leistungskraft nachlässt. Bluthochdruck ist auch ein großer Risikofaktor für Schlaganfall oder für eine Hirnblutung. Letztendlich kann ein erhöhter Blutdruck Schäden an fast allen Gefäßen und Organen bewirken.

Ab welchen Werten soll man den Blutdruck regelmäßig messen?

Da erhöhter Blutdruck sich nur schwer bemerkbar macht, sind regelmäßige Messungen in fortgeschrittenem Alter unerlässlich.

Ein optimaler Blutdruck bewegt sich bei 120/80 mmHg, ein normaler Blutdruck bei 130/90 mmHg. Bei diesen Werten reichen gelegentliche Kontrollen aus.

Ein hochnormaler Blutdruck liegt bei 140/90 mmHg. Bei diesem Wert sollte man sich unbedingt beim Arzt vorstellen. Ein Blutdruck ab 160/100 mmHg sollte ärztlich behandelt werden. Hier reichen die oben genannten Maßnahmen oft nicht mehr aus, meist müssen dann blutdrucksenkende Medikamente eingesetzt werden.


Das sind klare Aussagen, oder? Sie motivieren dazu, seinen eigenen Lebensstil wirklich einmal zu überdenken. Ich habe mich für mehr Bewegung und für Entspannung durch Yoga und Meditation entschieden, wie ihr ja in meinen Beiträgen schon lesen konntet. Und tatsächlich kann ich die positive Wirkung direkt auf meinem Blutdruckgerät ablesen! Wie das regelmäßige Messen zu Hause funktioniert und welches Gerät ich dafür benutze, das lest ihr in meinem nächsten Beitrag.

 

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Ein Gedanke zu „Immer auf Hochtouren“

  1. Sehr guter Beitrag, deckt sich mit meinen Erfahrungen. Durch Ernährungsumstellung und Bewegung fühle ich mich wesentlich vitaler, so dass auch meinem Umfeld diese positive Veränderung aufgefallen ist. 🙂 Ich löse „fast“ alles mit Natur, heißt es doch so schön: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen. 🙂
    Herzliche Grüße Marita Elbertzhagen

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